Heilige · 9 Tage
Hl. Judas Thaddäus
Der Apostel Judas Thaddäus wird seit alters als mächtiger Fürsprecher in besonders schweren und verzweifelten Anliegen verehrt. Diese neuntägige Andacht baut sich um Gedanken auf, die der Heilige in seinem apostolischen Brief ausspricht.
Eröffnungsgebet
Wird an jedem der 9 Tage gebetet.
An jedem der neun Tage betrachtet man den Text des Tages. Am Schluss jeder Betrachtung betet man: Vater unser. Gegrüßet seist du, Maria. — Heiliger Judas Thaddäus, du mächtiger Fürsprecher am Throne Gottes, bitte für mich.
1. Tag
In Not
„De Profundis — Aus der Tiefe rufe ich zu dir, o Herr. Herr, erhöre meine Stimme!" Dieses Wort, das vor drei Jahrtausenden König David in Qual und Reue geprägt hat, ist auch der Ausdruck meines Leidens, meines Verlangens. Schwere Sorge lastet auf mir. Auswege, die sich angekündigt hatten, haben sich verschlossen; Hilfeleistungen von Freunden waren unwirksam oder fehlten. Selber meine Lage zu ändern, dazu gebricht mir die Kraft. Eines ist geblieben und wird ewig bleiben: das Erbarmen des allmächtigen Gottes. Wie ein heller Stern über dem Dunkel der Nacht, wie eine ruhende Taube über dem Wogenbranden des Meeres, so steht hoch über dem Wirrsal menschlicher Sorgen und drohender Verzweiflung die Erbarmung Gottes. Gott, du siehst alles, Gott, du weißt alles! Du weißt auch, was ich nötig habe.
Erhörung auf die Art und Weise, die mir Armen gerade vorschwebt, darf ich nicht verlangen. Doch eine große Milde und Liebe, o Gott, darf ich über mich herabrufen.
Tiefster Grund aller Menschennot ist die Schuld. Auch wenn ich so glücklich wäre, in meinem Anliegen kein Mitverschulden meinerseits zu entdecken, so bleibt doch die erste Ursache, weshalb der Fluch die Erde traf: die Schuld. Lege darum jeder Mensch und unser ganzes Geschlecht das Bekenntnis ab: Mea culpa, mea culpa, meine so große Schuld!
Im Gefolge des Heilandes ist der Apostel Judas Thaddäus mitten durch das angesammelte menschliche Elend geschritten. Zu beiden Seiten am Wege reckten sich Arme auf, erhoben sich Hilferufe. Da lagen die Blinden und Lahmen; da flehten die Aussätzigen und Unheilbaren. Du, heiliger Apostel, durftest Zeuge sein der Macht und Menschenfreundlichkeit des Gottessohnes. Lege, heiliger Thaddäus, ein mächtiges Fürbittewort auch für mich Armen ein. Rühre wie einst an das Erbarmen des Weltheilandes! Ist es Gottes Wille, mir die Sorge zu erleichtern oder abzunehmen, erwächst mir ewige Dankespflicht. Soll ich sie weiter tragen, auch dann sei Gottes heiliger Wille gelobt. In der Kraft dessen, der mich stärken wird, vermag ich alles. Amen.
2. Tag
Dienen
„Knecht Jesu Christi". Mit diesem Ehrentitel stellt sich der Apostel Judas Thaddäus den Lesern seines Briefes vor. Mit tiefem Dank gedenkt er immer noch der Stunde, da er zu diesem heiligen Dienst berufen ward. Auf dem Berg der Seligkeiten hat der göttliche Meister die Zwölf ausgelesen und dem Volke vorgeführt. Im Leiden hat Jesus seine Größe am schönsten offenbart. Da ist der Herr zum Diener aller geworden: Den Jüngern wusch der Meister die Füße; den weinenden Frauen sprach der Kreuzträger Trost zu; der Gekreuzigte betete für seine Peiniger und tat dem Schächer die Paradiespforte auf. Er ist unter die Menschen wohnen gekommen, gehorsam geworden bis in den Tod des Kreuzes.
Dies Bild des gehorsamen Gottessohnes kann der Apostel nicht mehr vergessen. Am größten ist der Herr in seiner Demut, in seinem Dienst, in seinem Gehorsam. So lernten denn auch die Jünger den Gehorsam, den Dienst gegenüber den andern. Des guten Hirten Ebenbilder sollen sie werden, Diener der Diener Jesu wollen sie sein.
Gott dienen ist auch meine Aufgabe. Bin ich treu und ausdauernd genug? Soll es nicht, wenn ich heute meinem Schutzherrn Judas Thaddäus meine Anliegen anempfehle, meine ebenso große Sorge sein, gehorsam zu werden? Dein Wille geschehe, o Gott. Deinen Willen möchte ich erkennen, erfassen, erfüllen. Indem ich deinen Willen vollbringe, wirke ich mein Heil. Mein Heil ist dein Wille. Dein Wille geschehe! Amen.
3. Tag
Der Vater
„Preis dir, Vater, Herr des Himmels und der Erde! Nicht Rang und Stand der Menschen siehst du an. Du offenbarst dich dem Gemüt der Schlichten. Denn du bist gütig, Vater."
Als die Apostel den Heiland so reden hörten, ging in ihrer Seele still, verheißungsvoll ein Tor auf, das bis jetzt verschlossen gewesen: der Blick auf Gott den Vater.
„Mir, dem Sohne, hat der Vater alles übergeben. Mich, den Sohn, erkennt allein der Vater. Ihn, den Vater, kennt allein der Sohn. Vom Vater rede ich zu denen, die ich liebe." Welch eine Schau tut sich da auf! Der Vater hat alles erschaffen; mit ihm, in ihm erschafft auch der Sohn. Auch die Güte dieses Vaters zu uns Menschen zeichnet uns der Heiland. Wer kleidet und nährt die Blumen des Feldes, die Vögel des Himmels? Ihr aber geltet dem Vater mehr!
Wahrhaftig, es lebt ein Vater im Himmel! Er hat uns ins Leben gerufen; er hat uns den Platz bereitet, den Weg vorgesehen. Selbst wenn alles uns verließe, dürfen wir, wie Jesus am Kreuz, vertrauend unsere Seele in seine Hände empfehlen.
„In Gott dem Vater seid ihr geliebt", so drückt sich unser heiliger Thaddäus aus. Vater, der du im Himmel bist, ich will dein Kind sein, das geläuterte und treue Kind deiner großen Liebe. Vater, in deine Hand empfehle ich mich. Amen.
4. Tag
Berufung
Was alle Apostel nicht genug betonen, worüber sie sich nicht genug freuen können, das ist ihre Berufung. Berufen sein zum Gnadenleben im Reiche Gottes, welch unschätzbares Gut! „An die Berufenen", schreibt Thaddäus seinen Brief. Paulus hebt die Gnade der Berufung wiederholt hervor: „Gott hat euch von Anfang an zum Heil erwählt. Er hat euch durch unser Evangelium dazu berufen, an der Herrlichkeit unseres Herrn Jesus Christus teilzunehmen. So stehet denn fest ..."
Dieser Glaubensstolz der ersten Christen ist in späterer Zeit etwas verblasst. Die Taufgnade, die Berufung, nahm man als etwas Selbstverständliches entgegen. Brüder, es ist Zeit, von diesem Schlafe aufzustehen! „Kämpfet für den Glauben!", mahnt uns Judas Thaddäus. Ins Licht dieser Berufung rücken wir auch das Anliegen, das uns zur Novene drängte. Nichts soll uns scheiden von der Liebe Christi, weder Leben noch Tod. Möge im Gegenteil die Prüfung mich stärken. Alles gereicht denen zum Besten, die Gott lieben. Amen.
5. Tag
Bewahrung
Vor den Augen der ersten Christen vollzog sich ein furchtbares Trauerspiel: der Untergang von Jerusalem. Auf die Zeichen achtend, die Jesus genannt, floh rechtzeitig, wer in der Stadt wohnte. Zeitlebens dachten die Geretteten an dieses Gottesgericht. Gerettet, bewahrt! An die Bewahrung aber knüpfen die Apostel die ernste Mahnung: Werdet nicht allzu sicher, Gott kann von neuem prüfen!
Wie viele Male hat vielleicht auch nach unserem Haupte ein Blitz gezüngelt! Waren wir besser als andere, oder waren wir gut aus eigener Kraft? Verschont und bewahrt durch Gottes Langmut und Güte! Gefällt es dann dem Allerhöchsten, unsere Tage im Frieden zu verlängern, dann sei jedes Stundenwerk wieder ein Loblied auf den gütigen Bewahrer. „Vater", so hat auch Jesus um Bewahrung gebetet, „wenn du willst, so gehe dieser Kelch an mir vorüber; doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe!" Amen.
6. Tag
Im Heiligen Geiste
Zum Geheimnisvollsten, was die Apostel aus dem Munde des Herrn vernahmen, gehört das Wort vom Heiligen Geist. Die Verheißung ist an Pfingsten erfüllt worden in der Herabkunft des Heiligen Geistes selbst. In ihr Innerstes hat der Heilige Geist gezündet, Schwerstes hat er ihnen leicht gemacht, Schwäche hat er in Mut verwandelt, Sorge in Freude. „Betet im Heiligen Geiste!", mahnt uns der Apostel. Der Heilige Geist ist der nimmermüde Wächter unseres übernatürlichen Lebens, unser Anführer im Geisteskampfe, der Gärtner unseres Tugendwachstums.
Den echten Christen ruft er zu: „Baut euch auf unserem heiligen Glauben auf!" Im Heiligen Geist führt ein jeder, wie ein geduldiger Baumeister, sein gutes, schönes, geistliches Haus auf, das in Ewigkeit bestehen mag.
Heiliger Geist, du Vater der Armen, du Licht der Herzen, du Tröster und Freund, stehe mir bei in meiner Bedrängnis. Erleuchte mich, lenke meine Worte und Handlungen. Amen.
7. Tag
Durch Christus unseren Herrn
„Dem alleinigen Gott sei Ehre durch Jesus Christus, unsern Herrn", so schließt Thaddäus seinen Brief. Das ist das Leitmotiv geworden für den Schluss jeder unserer Messorationen: wir bitten darum durch unsern Herrn Jesus Christus, der mit dem Vater und dem Heiligen Geiste lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit. Durch den sündelosen Gottmenschen ist dem gerechten Gott für das sündige Geschlecht Sühne geleistet worden. Christus ist unser Erlöser, in seinem Kreuz allein ist uns Heil geworden.
Wir haben einen Hohenpriester, der in allem ebenso geprüft worden ist wie wir, die Sünde ausgenommen. Mit seinem eigenen Blute ging er ein für allemal ins Allerheiligste ein. Immerdar lebt er, um vor Gott Fürsprache für uns einzulegen.
Wenn heute wieder die Sünde überhand nimmt, so flüchten wir zum Altar, wo dieses Hohenpriesters Dienst weitergeht. Lamm Gottes, das du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erbarme dich unser. Du nimmst hinweg die Sünden der Welt: nimm mein Gebet auf. Amen.
8. Tag
Die Liebe
Die Apostel durften an der Wiege der Liebe stehen. In der Zeit ist die Liebe zu den Menschen gekommen und hat sich ihnen zu erkennen gegeben. Als unser Herr einst müde war und Mütter ihre Kinder zu ihm bringen wollten, wehrten ihnen die Jünger. Das aber verwies ihnen Jesus: „Lasst die Kleinen zu mir kommen; denn für solche ist das Himmelreich." Zum Schluss bestieg der gute Hirte selbst das Kreuz und gab sein Leben für seine Freunde.
„Bewahrt euch in der Liebe Gottes", mahnt uns der Apostel Thaddäus. Wie reich würde unser Lebensbuch, wenn unser Engel täglich, stündlich Werke der Liebe hineinzuschreiben hätte. Liebe heischt der Familienkreis, Liebe heischt die Gemeinde, um Liebe klopft so mancher Bettler an und um Liebe wirbt der große, unendlich gute und schöne Gott.
Lasst euch die Liebe nicht rauben! Den heiligen Thaddäus haben die Verfolger mit Keulen totgeschlagen, aber die Liebe ließ er sich nicht entreißen. So sollen mir meine Kümmernisse eines nicht rauben: die Liebe. Amen.
9. Tag
Der Sieg
Die Reihe der heiligen Bücher schließt die Geheime Offenbarung: Sie ist die Siegeskantate der Heiligen Schrift. „Gesiegt hat der Löwe aus dem Stamme Juda, der Spross Davids", verkündet ein Herold, und der ganze Himmel huldigt dem Lamm, das sich töten ließ und ewig lebt. Mit dem Heiland freuen sich auch die Getreuen. Aus allen Stämmen und Völkern sind sie genommen; jede Träne, die sie geweint haben, hat Gott von ihren Augen getrocknet.
Gottes Verheißungen an die Siegreichen lauten: „Dem Sieger will ich zu essen geben vom Lebensbaum." — „Den Sieger lasse ich neben mir auf dem Thron Platz nehmen, wie auch ich gesiegt habe." Auch unser Apostel Judas Thaddäus schreibt: „Gott ist mächtig, euch ohne Makel und voll Frohlocken vor seine Herrlichkeit zu stellen." Gott ist mächtig und gütig, auch mir seine Gnade zu leihen. Doch darf ich das Beten um diese Gnade nicht unterlassen — um die Gnade der Beharrlichkeit, der Treue, um die Endesgnade in der Stunde des Absterbens. Guter Gott, steh mir bei, heute und jeden Tag, dass meine Laufbahn mit dem Siege ende. In der heutigen Drangsal steh mir bei, verlass mich nicht; mit Jesus dem Sieger will ich den Sieg erstreiten. Amen.
Schlussgebet
Wird an jedem der 9 Tage gebetet.
Schlussgebet: Zum Patriarchen Jakob hat der Engel gesagt: „Von nun an heißest du Israel; denn du hast mit Gott und den Menschen gerungen und bist ewig Sieger geblieben."
Neun Tage lang habe auch ich in Gebet und Einkehr mit Gott und mir gerungen. Sieger bleibe ich dann, wenn mein Wille dem Willen Gottes gleichförmig wird. In jeder Stunde sprechen: „Herr, dein Wille geschehe!" heißt immer wieder ringen und immer wieder siegen. Durch unsere Not hat aber auch Gott sich besiegen lassen, lange schon ehe ich lebte. Denn Gott ist die Liebe und die Erlösung. Er ist der Vater und der Heiland und der Heilige Geist. Maria, du Mutter Christi, Königin der Apostel, Hilfe der Christen, bitt für mich! Heiliger Judas Thaddäus, bitte für mich.